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Das Paradox bricht über uns herein, wenn wir diesem unvorstellbar anders Einem mitten in dem begegnen, was uns am vertrautesten ist. Erlaubt mir mit einer Geschichte zu beginnen. Einige Einsichten unseres Menschenherzens sind so tief, dass nur eine Geschichte helfen kann, sie uns näher zu bringen und mit anderen zu teilen. Der grundsätzliche Sinn dessen, was wir mit abstrakten Worten „sakramentales Leben“ bezeichnen, ist eine von diesen tiefen Einsichten. Die Geschichte, welche ich ausgewählt habe, kommt aus der biblischen Überlieferung. Doch die darin ausgedrückten grundlegenden Einsichten gehören zum Schatz aller Religionen und finden sich auch in Erzählungen, welche aus Ost wie West überliefert sind.
Exodus 3, 1 – 6 Ist diese Geschichte schon zu geläufig geworden, um uns noch mit Ehrfurcht erfüllen zu können? Oder können wir die Kraft dieser Vorstellung wieder finden? Ein Busch in Flammen, doch unversehrt! Es ist eines von diesen Bildern, das einen bleibenden Eindruck im religiösen Geist während Jahrhunderten hinterließ, bleibend, weil er durch tägliche Erfahrung neu gestärkt wird. In ihrem unmittelbaren Zusammenhang steht die brennende Flamme inmitten des Wüstenstrauchs für die göttliche Gegenwart unter dem Gottesvolk, für den „Heiligen Israels“. Aber in einem allgemeineren Sinn ist dieser brennende, doch nicht verbrannte Dornbusch eine alltägliche Sicht – alltäglich und trotzdem erstaunlich – für ein Herz, das Alles durch das göttliche Feuer entflammt sieht. Wie umwerfend das Paradox ist, welches aus dem brennenden Dornbusch leuchtet, wird erst klar, wenn später Propheten dieses Bild in die Formel „das heilige Eine mitten in dir“ übersetzen. Wir müssen uns daran erinnern, dass Heiligkeit hier nicht so sehr moralische Vollkommenheit als vielmehr Gottes unvorstellbares Anderssein meint. Das Paradox bricht über uns herein, wenn wir diesem unvorstellbar anders Einem mitten in dem begegnen, was uns am Vertrautesten ist. Zwei Haltungen neigen dazu, uns für diese Begegnung blind zu machen: Weltlichkeit und Weltentrücktheit. Weltlichkeit sieht bloß den Strauch; Weltentrücktheit sieht bloß das Feuer. Aber zu sehen, mit den Augen des Herzens, eines inmitten des andern, das ist das Geheimnis von Sakramentalität. Wir werden dieses Geheimnis nie verstehen, solange wir danach im Zeugnis von jemand anderem suchen, unabhängig davon, wie erhaben jene Erfahrung gewesen sein soll. Das ist der Grund, weshalb ich sehr an Ihre eigene, einzigartig persönliche Begegnung mit dem „brennenden Dornbusch“ appellieren muss. Diese Augenblicke persönlicher Schau, in denen die gegebene Wirklichkeit verwandelt erscheint, werden in der Psychologie „Gipfelerlebnisse“ genannt. Wir alle haben solche Erfahrungen gemacht, aber gewisse Menschen sind wachsamer ihnen gegenüber als andere oder bereiter, sie zuzulassen. Gipfelerlebnisse sind immer ein Geschenk, eine Überraschung. Blitzschnell wird das Vorliegende in einem neuen Licht gesehen, das den Durst unseres Herzens nach dem letzten Sinn stillt. Obwohl ich wiederhole, dass ihr euch an eigene Gipfelerlebnisse erinnern müsst, um die Sakramentalität zu verstehen, lasst mich etwas nachhelfen, indem ich den Bericht eines Freundes, Don Johnson, zitiere:
Das Schlüsselwort hier ist „Eins“. Ein Gipfelerlebniss ist ein Augenblick, wo wir alles „auf die Kurve kriegen“ wie man etwas salopp sagt. Alle diese Risse und Sprünge der Trennung, Polarität, Entfremdung, welche wir gewöhnlich erfahren, sind in einem Augenblick geheilt. „Wie eines Heiligen Schau von Seligkeit. Wie der Schleier der Dinge, wie sie uns erscheinen, von unsichtbarer Hand zurückgezogen. Für eine Sekunde siehst du… Für eine Sekunde gibt es Sinn…“ (2). Dies ist das Geheimnis, indem du entdeckst: alles hat Sinn. Und ein einziger Blick in dieses Geheimnis macht alles ganz. Das Geheimnis ist das Geheimnis von Sakramentalität, das Mysterium, dass das göttliche Leben sich durch alle Dinge vermittelt, genau so wie Sinn durch Worte vermittelt wird. Die zwei gehören zusammen, Sinn und Wort, Gott und die Welt. Die zwei gehören zusammen, ohne Wenn und Aber, sind untrennbar: Sinn und Wort, Gott und die Welt. | ||||